Geschichte von Alt-Lankwitz.
Bei dem Versuch Daten in Erfahrung zu bringen hatte auch ich meine Probleme.
Lankwitz
ein Ort gelegen in der einst typischen märkischen Landschaft, gegründet auf Sandböden, die durchschichtet von Lehm und Tonböden, Sumpfbildung begünstigten.
Ein Ort, gelegen auf einer Landzunge die der Ansiedlung genügend Schutz und zugleich Nahrung durch die anliegenden Fischgründe bot.
Heute sind Reste des Ortskerns vom allerfrühsten Siedlungsbildes erhalten - und auch diese bedürfen des genauen Hinweises.
Die anfängliche Siedlungsgeschichte dieses Teltowdörfchens ist allenfalls an den Flournamen oder der ehemaligen Hufeisenform zu erkennen.
Erst 1239 ist der Name "Iancovica" in einer Schenkungsurkunde der askanischen Markgrafen(Johan I und
Otto III) an die "Jungfrawen zu Spandow" erwähnt, aber auch diese ist nur noch aus sekundärer Hand bekannt.
Stilistische Baumerkmale der Dorfkirche (spätromanisch mit Wehrkirchencharakter) weisen auf ihr etwa
750jähriges Alter hin.Ab dieser Zeit zisterziensischer Gründungen besteht eine über 300 Jahre anhaltende grundherrliche Verknüpfung mit dem Nonnenkloster Spandau.
1265 bekam das Kloster den Kirchenzins und 1371 die Bede - und damit sämtliche Abgaben des Dorfes.
Im Landbuch Karl IV von 1375 wird Lankwitz mit 37 Hufen genannt, 1450 und 1480 werden diese Zahlen im landesherrlichen Schloßregister wiederholt und 1800 waren es 44 Hufen.
Infolge der Reformation kam Lankwitz zum Kurfürstlichen Amt Spandau.
Im 30jahrigen Krieg wurde dieser Ort größtenteils wüst - nach dem Bericht des Landreiters (1652) waren von den Bauernstellen nur noch vier sowie die Schulzen- und die Kossätenstelle besetzt (84 Bewohner soll es vor diesem Krieg gegeben haben).
Danach mehren sich die belegbaren Daten.
Um 1680 mußte ein Pfarrer aus Schöneberg anreisen, daher war Lankwitz bis 1894 kirchlich gesehen Filiale von Schöneberg(Priesterweg).
1688 meldete Schneidermeister Henkel sein Begehren nach der Küster und zugleich Schulmeisterstelle
beim großen Kurfürsten an.
Der Ausbau zum "Schloß" Lankwitz durch General Kalckreuth 1767 und der Kauf des Lehnschulzengutes durch General Pfuel 1785 werteten den Ort auf.
Maßgeblich für seine Zeit wurde 1777 die Anlage des Marienfelde-Lankwitz-Giesensdorf verbindenden
Vorflutgrabens - bekannt als Königsgraben.
Das Jahr 1794 wurde für eine 100 jährige Entscheidung bedeutend:
Die Poststraße nach Halle und Leipzig ging u.a. über Lankwitz.Aber durch die neu fertiggestellte Chaussee Berlin - Potsdam vereinsamte die alte Straße, so das Lankwitz im Abseits lag.
Erst die 1895 eröffnete Haltestelle der Anhalter Bahn förderte die Entwicklung des Ortes.Das Selbstbewußtsein der Lankwitzer stieg zunehmend.Begünstigend war fraglos die freie Handhabung des Grund und Bodens (1787 wurden 4 Hufen des Schulzengutes für "adlig frei" erklärt),mündend in die Neuordnung der 1846 abgeschlossenen Separation.
Der Lehnschulze J.F.Schmidt, ab 1824 im Amt, hilt große Stücke auf ein Amtssiegel, dem das heutige
Lankwitzer Wappen entlehnt ist.
Erst ab 1869/70 reagierten die Bauern von Lankwitz zögernd mit Landverkauf.
Eine sich 40 Jahre hinziehende Partikelgründung von drei hinzukommenden Wohnbereichen (Gründerjahre)
entstand und verdichtete sich :
Rosenthalsches Viertel (heute Komponistenviertel) Zietemannsches Viertel (benannt nach Generälen und Frauennamen) und das Knaaksche Viertel (heute Lankwitz-Süd).
Die Einwhnerzahl stieg schnell:
von 149 im Jahr 1800, auf 4111 im Jahre 1900 und 10060 im Jahr 1911.
Dieser Bevölkerungszuwachs und der Erschließungsbedarf erforderten eine neue Mitte.
Die Achse Leonorenstraße (früher Victoriastraße) erhielt zunehmend an Bedeutung(1889 Krankenheim),(1895 Bahnstation),(1906 Dreifaltigkeitskirche),(1911 Rathaus).
Die alte, dorflich strukturierte Verwaltung war der Weiterentwicklung nicht mehr gewachsen und wurde 1908 durch einen städteplanerisch handelnden und formenden Bürgermeister Dr.Rudolf Beyendorff übernommen.
Unter ihm entstanden viele für die Lankwitzer gemeinnützige Werke (Schmutzwasserkanalisation, Rathausbau, Lyzeum, Gemeindepark, Bernkasteler Platz).
Die dem von Felix Genzmer entwickelten Bebauungsplan von 1909/10 einer weiträumigen städtischen Planung entsprachen.
Einbezogen und ausgerufen war die "Gartenstadt-Lankwitz" ein Programm das bei allen Bau - und Siedlungsvorhaben unter dem Motto "Licht, Luft, Sonne" erhalten bleiben sollte.
1914 wurde Lankwitz Garnision für das II.Garde-Train Bataillion und das Kraftfahr-Batallion.
Nach dem ersten Weltkriegwurde es Garnision für die 3.(preußische) Fahr und Kraftfahr-Abteilung
bzw.1937 für das Flak-Regiment 12 - dies zog erneut Einwohner an.
Eine Eingliederung in die Einheitsgemeinde Berlin beendete zwar 1920 die kommunale Selbstständigkeit,
nicht jedoch die Weiterentwicklung der Gartenstadt.
Danach hatten die Lankwitzer das Gefühl, gewissermaßen vereinahmt worden zu sein.
Die Orts - Geschichte hat ab hier nun viel zu berichten, wie Bilder, chronisches Material usw. belegen, aber die alles vernichtende Bombennacht vom 23. zum 24. August 1943 mit ihrer 85%igen
Zerstörung führte hier zu einer bis in unsere Zeit hineinreichende Veränderung der Lebens und Wohnverhältnisse.
Der 1950 begonnene Wiederaufbau war in den achtziger Jahren nahezu abgeschlossen.Einige Hochhausviertel entstanden.Die Bevölkerungszahl hat sich seit dem fast verdopplt, von 19 969 Einwohner im Jahr 1950 auf 38 436 Einwohner 1962.
In der ehemaligen Kraftfahrkaserne befand sich die 1949 gegründete Pädagogische Hochschule Berlin,
die in die Freie Universität Berlin integriert wurde.
Der Siedlungsbau der 60er und 70er Jahre wurde weiter vorangetrieben.
Die Freiflächen "In den neuen Gärten"(jetzt Wohngebiet) die ehemaligen Felder der Umgebung der Pädagogischen Hochschule, das Gebiet des Hallen-Schwimmbades, des Eis-Stadions, der Landeslehranstalt für technische Assistenten in der Medizin und noch viele ungenutzte Grundstücke wurden bebaut.
Lankwitz wird Zuzugsgebiet, dennoch ist in großen Teilen der Gartenstadtcharakter bewahrt.